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Schwarzer Tod

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Schwarzer Tod Artikel

Als Schwarzer Tod wird die große Pest-Epidemie genannt, die in der Zeit von 1347 bis 1353 Europa heimsuchte und während der ein großer Teil der europäischen Bevölkerung starb. (Die Pest als Krankheit, ihre Übertragungswege, Behandlungsweisen, die Gefahren, die von ihr als biologische Waffen ausgehen, weitere historische Pestepidemien und ihre Auswirkung auf Kunst und Literatur sind im separaten Hauptartikel „Pest“ beschrieben)

Inhaltsverzeichnis
Buch-Tipp: Das Dritte Reich und die Juden . . . unter Einbeziehung der Perspektive der Opfer Das ursprünglich zweibändige Hauptwerk des Autors gilt als das Standardwerk zur Zeit des Nationalsozialismus schlechthin. Besonders nachdem Erscheinen des zweiten Bandes (Die Jahre der Vernichtung 1939-1945, 2006) äusserten sich die Kritiker euphorisch über die epochale, auch mit literarischen...

Der Begriff „Schwarzer Tod“

Schwarzer Tod Beschreibung
Schwarzer Tod Beschreibung
Ausschnitt aus dem Holzschnitt „Totentanz“ (Hans Holbein der Jüngere). Holbein verdeutlichte, dass die Pest weder Stand noch Klasse kannte.

Mit der Nennung „Schwarzer Tod“ wird heutzutage die große Pestpandemie genannt, an der in dem 14. Jahrhundert große Teile der europäischen Bevölkerung starben. In dem Mittelalter selber wurde diese Nennung nicht benutzt - man sprach vom „großen Sterben“ oder der „großen Pestilenz“. Dänische und schwedische Chronisten des 16. Jahrhunderts benutzten die Nennung „schwarz“ erstmals als Nennung für den Pestausbruch ab 1347, um das Furchtbare und Schreckliche dieser Seuche zu betonen (schwarz wurde also nicht in dem Sinne einer Farbe benutzt).

Der deutsche Arzt J. F. K. Hecker griff 1832 diese Nennung wieder auf. Unter dem Eindruck der gerade grassierenden Choleraepidemie fand sein Artikel "Der schwarze Tod" über die Pestepidemie 1348/1349 große Beachtung; er wurde 1833 in das Englische übersetzt und in den Folgejahren mehrfach neu gedruckt. „Black Death“ - „Schwarzer Tod“ bürgerte sich vor allem in dem englisch- und deutschsprachigen Raum daher als standardmäßige Nennung der Pestepidemie des 14. Jahrhunderts ein.

Buch-Tipp: Die Holocaust-Industrie. Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird. Politisch unkorrekt Es ist schon ein Wunder, das es so ein Buch in Deutschland überhaupt geben darf. Politsch unkorrekt und dennoch richtig kann man in dem Deutschland der heutigen Zeit dieses Thema wohl ca. beschreiben, ohne aufgeknüpft zu werden, wenn man dem gleichen Stamm angehört. Man stelle sich solch ein Buch von Eva Herman vor. Ein mutiges...

Europa vor dem Ausbruch der Pest

Wie Norman F. Cantor in seinem Buch „In the Wake of the Plague“ vermerkt, verdankt das mittelalterliche Europa das Entstehen politischer Einheiten, funktionierender Rechts- und Bildungssysteme sowie das Wachstum der Städte und die Ausweitung des Handels auch der Tatsache, dass ein Gebiet, das von Island bis Warschau, von Oslo bis Palermo reichte, in der Zeit von 800 bis 1300 eine klimatisch begünstigte Zeit erlebte, in der gleichzeitig große Krankheitsepidemien fehlten.

In der Zeit von 900 bis 1300 vervierfachte sich die europäische Bevölkerung, mehr Land wurde urbar gemacht und für die landwirtschaftliche Produktion genutzt. Die am weitesten entwickelten Gebiete Europas lagen in dem südlichen England, in dem nördlichen Frankreich in den Tälern der Seine und der Loire, umfasste das Gebiet um Paris sowie das deutsche Rheintal, die nördlichen Hansestädte, sowie Flandern und die Niederlande und das nördliche Italien von der Poebene bis nach Rom. Dieses Kerngebiet war deutlich stärker bevölkert als das übrige Europa und in diesen Gebieten befanden sich auch die größten Städte. Die europäische Gesellschaft vor 1300 besaß wohlausgestattete Universitäten, errichtete beeindruckende gotische Kathedralen und erlebte eine künstlerische und literarische Blüte. Zwischen 1214 und 1296 behinderte kein größerer Krieg die Weiterentwicklung der Gesellschaft und die Grenzen dieses Europas war weder von den Arabern in dem Süden noch von den griechisch-orthodoxen Slawen in dem Osten bedroht.

Während Theologie und Philosophie an den Universitäten eine große Rolle spielten, wurde wenig Aufmerksamkeit den Naturwissenschaften gewidmet. Die wenigen chemischen Kenntnisse die man besaß, fanden ca. in der Alchemie Verwendung, was man über Astronomie wusste, wurde für Astrologie und Wahrsagerei benutzt. Insbesondere das medizinische Wissen war sehr wenig entwickelt. Weder verstand man die Ursache von Krankheiten, noch hatte man irgendeine Vorstellung geeigneter Gegenmaßnahmen. Wie Norman Cantor feststellt, hatte die mittelalterliche Gesellschaft überwiegend nichtmedizinische Antworten zu den verheerenden Auswirkungen einer Pandemie - Gebet und Sühne, Quarantäne der Kranken, Flucht der Gesunden und die Suche nach Sündenböcken.

Krisenhafte Entwicklungen setzten schon vor dem Ausbruch der Pest ein. Ab 1290 kam es in weiten Teilen Europas zu langanhaltenden Hungersnöten. Behandlungen über die Entwicklung von Weizenpreisen in dem englischen Norfolk lassen darauf schließen, dass es zwischen 1290 und 1348 neunzehn Jahre gab, in denen der Weizen knapp wurde. Für das französische Languedoc ergeben ähnliche Behandlungen zwanzig Jahre zwischen 1302 und 1348, in denen Nahrungsmittelknappheiten bestanden. 1314 bis 1317 waren in ganz Nordeuropa Hungerjahre. In dem Jahre 1346 und 1347 herrschte Hunger in Süd- wie Nordeuropa.

Bereits 1339/1340 traten in Städten Italiens Seuchen auf, die zu einem deutlichen Anstieg der Sterblichkeit führte. Vor diesem Hintergrund brach in dem Jahre 1347 in den Häfen des Mittelmeers die Pest aus.

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Ausbruch der Pandemie in Asien und Ausbreitung in Europa

Knapp sechshundert Jahre nach der letzten Pestepidemie, die in Europa auftrat, brach in dem Jahre 1331 die Pest offenbar in China aus und gelangte von dort allmählich nach Europa.

1338 oder 1339 erreichte sie die christliche Gemeinschaft der Assyrischen Kirche des Ostens von Issykkul am Balkaschsee . 1345 erkrankten die ersten Menschen in Sarai an der unteren Wolga auf der Krim, in dem Jahre 1346 wurden die ersten Einwohner von Astrachan Opfer dieser Krankheit. 1346 erreichte sie die Grenzen des damaligen Europas:

Die Tartaren belagerten die von Genuesern gehaltene Hafenstadt Kaffa (das heutige Feodosija) auf der Halbinsel Krim; mit ihrem Gefolge kam auch die Pest vor die Stadtmauern. Die Belagerer banden an der Pest Gestorbene auf ihre Katapulte und schleuderten sie in die Stadt. Auch wenn die Einwohner von Kaffa diese Leichname sofort in das Meer warfen, kam es zu Ansteckungen. Mit dem Vordringen der Pest nach Kaffa geriet die Krankheitins weitverzweigte Handelsnetz der Genueser, das sich über die gesamte Mittelmeerküste erstreckte. Von Schiffen verbreitet, gelangte die Krankheit 1347 nach Konstantinopel, Kairo und Messina auf Sizilien. Von dort aus breitete sie sich in den folgenden vier Jahren zuerst über den See-, dann auch über den Landweg über ganz Europa aus:

  • Mit Schiffen, deren Besatzung infiziert war, gelangte der Krankheitserreger von Genua nach Marseille, von wo aus die Pest in Richtung Norden der Rhone folgte. Nach kurzer Zeit erreichte sie das Languedoc und Montpellier, in dem August 1348 auch Carcassonne und Bordeaux, Aix und Avignon, wo sie sich sieben Monate hielt. Avignon war zu dieser Zeit eine der wichtigsten Städte Europas. Schon in dem März 1348 hatte sie Toulouse erreicht und in dem Mai Paris.
  • Von Venedig aus gelangte die Pest über den Brenner nach Österreich. Zuerst kam der schwarze Tod nach Kärnten, dann in die Steiermark und erreichte dann erst Wien. Wien war die einzige Stadt, in der jeder Sterbende das letzte Sakrament erhielt.
  • In Deutschland, Norwegen, Schweden und Irland trat die Pest erstmals in dem Jahre 1349 auf.

Um die Ansteckungsgefahr zu vermindern, wurden nach 1347 einlaufende Schiffe, auf denen man die Pest vermutete, für 40 Tage isoliert (Quarantäne, vom italienischen quaranta giorni = 40 Tage).

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Die demographischen und politischen Auswirkungen des Schwarzen Todes

..So konnte, wer - zumal am Morgen - durch die Stadt gegangen wäre, unzählige Leichen liegen sehen. Dann ließen sie Bahren kommen oder legten, wenn es an diesen fehlte, ihre Toten auf ein bloßes Brett. Auch geschah es, dass auf einer Bahre zwei oder drei davongetragen wurden, und nicht einmal, sondern viele Male hätte man zählen können, wo dieselbe Bahre die Leichen des Mannes und der Frau oder zweier und dreier Brüder und des Vaters und seines Kindes trug...(Giovanni Boccaccio, Decamerone)

Man schätzt, dass etwa 20 bis 25 Millionen Menschen, rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas, durch den „Schwarzen Tod“ umkamen. Für die Anzahl der Opfer in Asien und Afrika fehlen seriöse Quellen. Jegliche Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu behandeln, da zeitgenössische Quellen die Anzahl der Toten eher zu hoch ansetzten, um den Schrecken und die Unbarmherzigkeit dieser Pandemie zu dem Ausdruck zu bringen. So schätzten beispielsweise die zeitgenössischen Chronisten unter dem Eindruck der ständig vorbeirollenden Leichenwagen die Anzahl der in Avignon Gestorbenen auf bis zu 120 Tausend Menschen, obwohl Avignon zu dieser Zeit nicht mehr als 50 Tausend Einwohner hatte.

Schwarzer Tod Beschreibung
Schwarzer Tod Beschreibung
Darstellung der Beulenpest in der Toggenburgbibel (1411)

Greifbarer als an diesen Zahlen wird die Verheerung der Pest an Einzelschicksalen: Der Chronist von Siena, Agnolo di Tura klagt, dass sich keiner mehr findet, der die Toten begräbt, und er eigenhändig seine fünf Kinder beerdigen muss; John Clyn, letzter überlebender Mönch eines irischen Klosters in Kilkenny, schreibt kurz vor seinem eigenen Pesttod die Hoffnung nieder, dass wenigstens ein Mensch diese Seuche überleben wird, der die von ihm begonnene Pestchronik fortsetzen kann; den italienischen Chronisten Giovanni Villani ereilt der Pesttod so plötzlich, dass seine Chronik mit einem unvollendeten Satz abbricht. In Venedig sterben von 24 Ärzten 20; in London erliegen alle Zunftmeister der Schneider und Hutmacher der Seuche. Und kurz nachdem Pesttod des Erzbischofs von Canterbury erliegt auch sein designierte Nachfolger der Pest, ebenso wie kurz darauf der nächste Amtsanwärter. In Frankreich stirbt ein Drittel der königlichen Notare und ein Drittel der in Avignon versammelten päpstlichen Kardinäle.

Der „Schwarze Tod“ wütete nicht gleichmäßig in Europa, sondern ließ einige wenige Gebiete fast unberührt. Große Teile Polens und Belgiens sowie Prag blieben von ihm verschont, während er in anderen so stark zuschlug, dass ganze Landstriche weitgehend entvölkert wurden. Während Mailand der Heimsuchung durch die Pest entging, starben in Florenz vier Fünftel der Bürger. Wie M. Vasold in seinem Artikel über die Auswirkung der Pest auf die deutsche Bevölkerung nachweist, blieb beispielsweise Süddeutschland weitgehend unberührt von der Pest. Hamburg und Bremen dagegen wurden ebenso massiv von der Pest getroffen wie beispielsweise Köln. Insgesamt war die Auswirkung auf die Bevölkerung in Deutschland erheblich kleiner als in Italien und Frankreich.

Der tiefe Einschnitt in der Bevölkerungszahl, den die Pestepidemie auslöste, hatte zur Folge, dass es mehrere Jahrhunderte dauern sollte, bis Bevölkerungszahlen wie vor dem "Schwarzen Tod" wieder erreicht wurden. David Herlihy weist darauf hin, dass die Bevölkerungszahl in Europa erst in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhundert nicht mehr weiter abnahm, für fünfzig Jahre auf sehr niedrigem Niveau stagnierte und erst 1460 allmählich wieder anstieg.

Schwarzer Tod Beschreibung
Schwarzer Tod Beschreibung
„Doktor Schnabel von Rom“ Kupferstisch von Paulus Fürst 1656 (nach J. Columbina), Durch diese Kleidung hofften die Ärzte während der Pestepidemie von 1656 in Rom sich vor der Pestansteckung zu schützen. Sie trugen einen Wachsmantel, eine Art Schutzbrille und Handschuhe. Im Schnabel befand sich „wolriechende Specerey“
Buch-Tipp: Die Vernichtung der europäischen Juden.: 3 Bde. das Standardwerk zu dem Thema "organisierter Wahnsinn" Raul Hilberg ist ein hervorragender Analytiker; und wie anders als mit rationalem Ansatz könnte man sich eines solchen - nicht ca. der Dimension wegen - unfassbaren Verbrechens gegen die Menschlichkeit annehmen? Wie anders als durch die Zerlegung des so schwer fassbaren Gesamten in seine tausenden...

Die Reaktion der Ärzte

Die Ärzte dieser Zeit standen der für sie rätselhaften Krankheit ratlos gegenüber. Ein fundiertes Wissen hatten sie eher in der Astrologie, der den Hauptteil ihres Medizinstudiums beansprucht hatte. Medizinisch mussten sie aber auf das Wissen des spätantiken Hippokrates und seines Nachfolgers Galen zurückgreifen, nach dessen Lehren diese Infektion eine Fehlmischung der vier Körpersäfte: Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle war - das Prinzip der Ansteckung war dagegen der Galenschen Medizin unbekannt. Eine Ansteckung von Tier zu Mensch war gänzlich unvorstellbar. Stattdessen vermutete man, dass faul riechende Winde die Krankheit aus Asien nach Europa trügen oder dass Dämpfe aus dem Erdinneren die Krankheit verursachten.

Obskure Ratschläge machten die Runde. So sollten beispielsweise die Fenster ca. nach Norden geöffnet werden, Schlaf zur Tageszeit war verboten, schwere Arbeit verpönt. Als gefährlich galten feuchtschwüles Klima und Südwind, die Luft über stehenden Gewässern aller Art. Die Pest würde durch die Schönheit junger Mädchen angezogen, hieß es. (Es starben tatsächlich mehr Frauen als Männer, mehr Junge als Alte).

Die medizinische Fakultät von Paris, von Philipp VI. in dem Oktober 1348 mit einer Behandlung über die Ursache der Krankheit beauftragt, kam zum Schluß, dass die Pest durch eine am 20. März 1345 eingetretene ungünstige Dreierkonstellation aus Saturn, Jupiter und Mars ausgelöst worden sei. Der Erklärungsansatz wurde europaweit als der wissenschaftlichste angesehen und in viele europäische Landessprachen übersetzt.

Viele Ärzte flohen vor der Pest. Wenn sie flohen, galten sie als feige, wenn sie blieben, als geldgierig. Die einzige ärztliche Pflicht in dem Angesicht der Pest war, Pestkranke zur Beichte aufzufordern. Das häufigste von den Ärzten angewandte Mittel gegen die Gefahren der Pest war das Verbrennen aromatischer Substanzen. Papst Klemens VI. verbrachte die Zeit des Pestausbruchs in Avignon zwischen zwei großen Feuern, die in seinen Gemächern brannten und die ihn möglicherweise wirklich vor einer Ansteckung bewahrten, da sie auch Flöhe fernhielten.

Langfristig bewirkte die Pest, dass man sich allmählich von der Galenschen Medizin löste. Papst Klemens selbst sprach sich für eine Sezierung der Pestopfer aus, um die Ursache der Krankheit zu entdecken. Die direkte Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper durch anatomische Studien wurde mit größerer Intensität als vor der Pest fortgesetzt und damit der erste Schritt in Richtung moderner Medizin und empirischer [[Wissenschaft}} getan. Bis zu einer systematischeren Auseinandersetzung mit dem Prinzip der Ansteckung durch den Arzt Girolamo Fracastoro (1483-1533) sollte es jedoch noch fast 200 Jahre dauern.

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Die Pest und die mittelalterliche Gesellschaft

Buch-Tipp: Eine Art Familientreffen. Der Krieg ist vorbei, der eigene Frieden trotzdem verloren? "Eine Art Familientreffen" - "nur" das Ende der beeindruckenden Roman-Trilogie von Judith Kerr? Oder anregende Fortsetzung einer Familiengeschichte, Fortsetzung der anschaulichen Möglichkeit, sich als Leser Gedanken zu machen über Menschen, die Vertriebene waren und häufig lebenslang diesem...

Die unmittelbare Reaktion auf die Herausforderung durch die Pest

Wir wollen darüber schweigen, dass ein Bürger den anderen mied, dass fast kein Nachbar für den anderen sorgte und sich selbst Verwandte gar nicht oder ca. selten und dann ca. von weitem sahen. Die fürchterliche Heimsuchung hatte eine solche Verwirrung in den Herzen der Männer und Frauen gestiftet, dass ein Bruder den anderen, der Onkel den Neffen, die Schwester den Bruder und häufig die Frau den Ehemann verließ; ja, was noch merkwürdiger und schier unglaublich scheint: Vater und Mutter scheuten sich, nach ihren Kindern zu sehen und sie zu pflegen - als ob sie nicht die ihren wären (...) Viele starben, die, wenn man sich um sie gekümmert hätte, wohl wieder genesen wären. Aber wegen des Fehlens an ordentlicher, für den Kranken nötiger Pflege und wegen der Macht der Pest war die Zahl derer, die Tag und Nacht starben, so groß, dass es Schaudern erregte, davon zu hören, geschweige denn es mitzuerleben...

So schildert Boccaccio den Einbruch der Pest in Florenz und die unmittelbare Reaktion der florentinischen Bevölkerung.

Viele der Menschen, welche die Pest als Gottesstrafe ansahen, fanden zu dieser Zeit den Trost in der Religion. Religiöse Bewegungen entstanden spontan in dem Gefolge oder in Erwartung der Pest - viele davon forderten das Monopol der Kirche auf geistliche Lenkung heraus. Bittgottesdienste und Prozessionen kennzeichneten den Alltag. Flagellanten zogen in „Geißlerzügen“ durch die Städte. Der „Pestheilige“ St. Rochus wurde intensiv verehrt, Pilgerfahrten nahmen zu. An vielen Orten zeugen Kirchen und andere Monumente wie so genannte Pestsäulen von der Angst der Menschen und ihrem Wunsch nach Erlösung von der Pest.

Andere Menschen versuchten jede Minuten ihres Lebens noch auszukosten. Mit Tanzen und Musik versuchte man der Pest zu entgehen. Der italienische Chronist Matteo Villani schrieb:

Die Menschen, in der Erkenntnis, daß sie wenige und durch Erbschaften und Weitergabe irdischer Dinge reich geworden waren, und der Vergangenheit vergessend, als wäre sie nie gewesen, trieben es zügelloser und erbärmlicher als jemals zuvor. Sie ergaben sich dem Müßiggang, und ihre Zerrüttung führte sie in die Sünde der Völlerei, in Gelage, in Wirtshäuser, zu köstlichen Speisen und zu dem Glücksspiel. Bedenkenlos warfen sie sich der Lust in die Arme...

Eine funktionierende Wirtschaft konnte unter dem Einbruch einer Pestepidemie nicht mehr aufrechterhalten werden. Arbeitskräfte starben, flohen und nahmen ihre Aufgaben nicht mehr war. Vielen schien es sinnlos, die Felder zu bestellen, wenn der Tod sie doch bald ereilen würde.

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Judenprogrome in Folge der Pest

Die kirchliche und weltliche Macht verlor angesichts der Hilflosigkeit, mit der sie der Pestepidemie begegnete, ihre Autorität. Boccaccio schrieb dazu:

In solchem Jammer und in solcher Betrübnis der Stadt war auch das ehrwürdige Ansehen der göttlichen und menschlichen Gesetze fast gesunken und zerstört; denn ihre Diener und Vollstrecker waren gleich den übrigen Einwohnern alle krank oder tot oder hatten so wenig Gehilfen behalten, dass sie keine Amtshandlungen mehr vornehmen konnten. Deshalb konnte sich jeder erlauben, was er stets wollte.

Boccaccios Zeilen in der Einleitung seines Decamerone galten nicht ca. für Städte, die direkt von der Pest betroffen waren, sondern trafen auch für die zu, die das Eintreffen der Pest befürchteten.

Unter dem Autoritätsverlust der weltlichen und kirchlichen Macht litten am meisten die, die zu den kulturellen Randbereichen der mittelalterlichen Gesellschaften zählten: In dem Rahmen der Pest kam es zu schwerwiegenden Judenprogromen, weil man in ihnen die geeigneten Schuldigen fand. Anfangs versuchte immerhin ein großer Teil der geistlichen und weltlichen Herrschaft diese Pogrome zu unterbinden.

Bereits 1348 genannte der in Avignon lebende Papst Klemens VI. die Anschuldigung, die Juden würden durch das Vergiften von Brunnen die Pest verbreiten, als „unvorstellbar“, da sie in Gegenden der Erde wüte, wo keine Juden lebten, und dort, wo sie lebten, sie selbst Opfer würden. Er forderte die Geistlichkeit auf, die Juden unter ihren Schutz zu stellen. Klemens VI. - der hebräische Manuskripte sammelte - untersagte außerdem, Juden ohne Gerichtsverfahren zu töten oder sie auszuplündern. Die päpstlichen Bullen hatten jedoch Wirkung ca. in Avignon und trugen ansonsten verhältnismäßig wenig zu dem Schutz der Juden bei. Eine ähnliche Erfahrung machte Königin Johanna I. von Neapel , die in dem Mai 1348 die Steuerlast der in ihrem provencalischen Herrschaftsgebiet lebenden Juden um die Hälfte reduzierte, um den Plünderungen Rechnung zu tragen. In dem Juni des selben Jahres wurden jedoch ihre Beamten aus den provencalischen Städten vertrieben.

Das Gerücht, Juden träufelten Gift in Brunnen und Quellen, war bereits Anfang 1348 aufgekommen: In Savoyen hatten jüdische Angeklagte sich unter der Folter solcher Vergehen für schuldig bekannt. Ihr Geständnis fand in ganz Europa rasch Verbreitung und war die Basis für eine Welle von Übergriffen vor allem in dem Elsaß, der Schweiz und Deutschland. Am 9.01 1349 wurde in Basel ein Teil der jüdischen Einwohnerschaft ermordet – die Basler Stadträte hatten zuvor zwar die schlimmsten Hetzer gegen die Juden aus der Stadt verbannt, mussten unter dem Drängen der Stadtbevölkerung diesen Bann jedoch aufheben und statt dessen die Juden vertreiben. Ein Teil der Vertriebenen wurde festgesetzt und in einem eigens für sie gebauten Haus auf einer Rheininsel verbrannt. In Straßburg versuchte die Stadtregierung gleichfalls, die ansässigen Juden zu schützen, wurde jedoch mit den Stimmen der Zünfte ihres Amtes enthoben. Die neue Straßburger Stadtregierung duldete dann das Massaker, dem in dem Februar 1349 - die Pest hatte Straßbrug zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht - 900 von 1884 in Straßburg lebende Juden zu dem Opfer fielen.

Maßgeblich an den Judenprogromen beteiligt waren die Flagellanten. Für Städte wie Freiburg im Breisgau, Köln, Augsburg, Nürnberg, Königsberg und Regensburg gilt, dass noch vor dem eigentlichen Ausbruch der Pest Flagellanten Teile der Bevölkerung aufhetzten, dann die jüdische Bevölkerung als Brunnenvergifter ermordet wurde, der Ausbruch der Pest erst danach erfolgte. In Zürich beispielsweise wurden die Juden in dem September 1348 aus der Stadt verbannt - die Pest brach dort jedoch erst ein Jahr später aus.

Im März 1349 verbrannten sich vierhundert Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Worms in ihren Häusern, um nicht den Mordbrennern in die Hände zu fallen; in dem Juli 1349 beging auch die jüdische Gemeinde von Frankfurt auf diese Weise Selbstmord. In dem Mainz griff die jüdische Gemeinde zur Selbstverteidigung und tötete 200 der sie Angreifenden. Aber auch die Mainzer jüdische Gemeinde - damals die größte in Europa - beging letztlich Selbstmord, im sie die Häuser anzündeten. Die Pogrome setzten sich bis Ende des Jahres 1349 fort. Die letzten fanden in Antwerpen und Brüssel statt. Nach Ende der Pest lebten ca. noch wenige Juden in Deutschland und den Niederlanden.

Ein Drittel der 2,5 Millionen in Europa lebenden Juden waren in dem heutigen Spanien ansässig. Ihnen erging es etwas besser als ihren Glaubensbrüdern in Holland und Deutschland. König Peter IV. von Aragon gelang es mit der Unterstützung der wohlhabenderen Bürger gegen die ersten gewalttätigen Ausschreitungen in Barcelona vorzugehen und weitere Plünderungen und Übergriffe auf jüdisches Leben zu unterbinden.

Ebenso wie Peter IV. von Aragon waren auch Albrecht II. von Österreich und Kasimir III. von Polen entschiedene Beschützer ihrer jüdischen Einwohner. Wenn sie auch Gewalttaten nicht gänzlich unterbinden konnten, blieben solche Massaker wie in Brüssel und Basel jedoch aus. Kasimir III. bot darüberhinaus den Juden an, sich in seinem Herrschaftsgebiet anzusiedeln. Es setzte eine Emigration vor allem von deutschen Juden nach Polen ein, die bis in das 16. Jahrhundert anhielt. In der Ansiedlung von Juden sah Kasimir III. die Möglichkeit, sein Land wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Auch Kaiser Karl IV. versuchte, die Juden zu schützen und sie in seinen Gebieten willkommen zu heißen. In der 1356 erlassenenen Goldenen Bulle legte er die Pflicht der Kurfürsten fest, die Juden zu schützen. Allerdings hatte er 1349 - nicht mal ein Jahr nach den Übergriffen auf die Juden, für deren Schutz er als Kaiser verantwortlich war - Amnestien für viele deutsche Städte (etwa Esslingen, Reutlingen, Überlingen und Straßburg) erlassen, welche die Juden vertrieben und sich an ihrem Besitz bereichert hatten.

Neben der Suche nach einem Sündenbock und einer seit dem 12. Jahrhundert angestiegenen Intoleranz der Kirche gegenüber Andersgläubigen, war auch Habgier ein wesentliches Motiv für den Mord an den jüdischen Mitbürgern. Die Bedeutung der Juden als Geldverleiher war zwar nicht mehr so groß wie noch in dem 12. und 13. Jahrhundert, doch offenbar sah ein großer Teil der Bevölkerung in dem Mord an den Juden auch die Möglichkeit, ihre Gläubiger loszuwerden. So war der Augsburger Bürgermeister Heinrich Portner bei jüdischen Geldleihern hoch verschuldet und ließ den Mord an den Juden bereitwillig geschehen.

Buch-Tipp: Hurra, wir kapitulieren! des kaisers neue kleider broder schreibt subjektiv - und das ist sein gutes recht. die vielen kleinen kapitulationen und scheinheiligkeiten aus unserem alltag kommen in ihrer summe und beim lesen dieses buches plötzlich gar nicht mehr so klein daher. unsere gesellschaft hat sich in dem auftrag der "political correctness" auf so manchen blödsinn eingelassen....

Die langfristige Auswirkungen des Schwarzen Todes

Langfristig bewirkte und beschleunigte die Pest einen tiefgreifenden Wandel in der mittelalterlichen Gesellschaft Europas. Wie David Herlihy belegt, konnten die Generationen nach 1348 nicht einfach die sozialen und kulturellen Muster des 13. Jahrhunderts beibehalten. Der massive Bevölkerungseinbruch bewirkte eine Umstrukturierung der Gesellschaft, die sich langfristig positiv bemerkbar machte. So genannte Herlihy die Pest als "die Stunde der neuen Männer": Die Entvölkerung ermöglichte einem größeren Prozentsatz der Bevölkerung den Zugang zu Bauernhöfen und lohnenden Arbeitsplätzen. Unrentabel gewordene Böden wurden aufgegeben, was in manchen Regionen dazu führte, dass Dörfer aufgegeben oder nicht mehr wiederbesiedelt wurden (sogenannte Wüstungen). Die Zünfte ließen nun auch Mitglieder zu, denen zuvor die Aufnahme verweigert worden war. Während der Markt für landwirtschaftliche Pachten zusammenbrach, stiegen die Löhne in den Städten deutlich an. Damit konnte sich eine große Anzahl von Menschen einen Lebensstandard ermöglichen, der für sie vorher unerreichbar war.

Der deutliche Anstieg der Arbeitskosten sorgte dafür, dass manuelle Arbeit zunehmend mechanisiert wurde. Damit wurde das Spätmittelalter zu einer Zeit eindrucksvoller technischer Errungenschaften. David Herlihy bezeichnet als Beispiel den Buchdruck: Solange die Löhne von Schreibern niedrig waren, war das handschriftliche Kopieren von Büchern eine zufriedenstellende Reproduktionsmethode. Mit dem Anstieg der Löhne setzten jedoch umfangreiche technische Experimente ein, die letztlich zur Erfindung des Buchdrucks durch Johann Gutenberg führten. Sogar die Weiterentwicklung der Feuerwaffe interpretiert Herlihy auch als Reaktion auf einen Mangel an Soldaten.

Die Kirche - von zahlreichen Pestopfern als Erbe eingesetzt - ging reicher, aber unpopulärer aus der Zeit des „Schwarzen Todes“ hervor. Weder hatte sie eine zufriedenstellende Antwort auf die Frage gefunden, warum Gott der Menschheit eine solche Prüfung auferlegt hatte, noch hatte sie geistlichen Beistand geleistet, als den Menschen das Bedürfnis danach am größten war. Die Bewegung der Flagellanten hatte die Autorität der Kirche auf die Probe gestellt. Auch nachdem Abklingen dieser Bewegung suchten viele Gott bei mystischen Sekten und in Reformbewegungen, die letztlich die katholische Glaubenseinheit auseinanderbrechen ließ.

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Die Rückkehr der Pest in den folgenden Jahren

Die erste große Pestwelle, die als sogenannter „Schwarzer Tod“ in die Geschichtsbücher einging, endete 1353. Sie flackerte jedoch in den Folgejahren stets wieder in einzelnen Regionen Europas auf, da sich die Seuche endemisierte: In lokalen und regionalen Epidemien suchte sie die nächsten drei Jahrhunderte in nahezu regelmäßigen Abständen europäisches Gebiet heim. Die zweitschlimmste Epidemie des ausgehenden Mittelalters bzw. der jungen Neuzeit suchte Europa in dem Jahr 1400 heim. Wenn auch die Zahl der Toten bei der großen zweiten Pestwelle nicht so hoch war, starben dabei vor allem Kinder und Jugendliche.

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Literatur

Zitierte Werke

  • Boccaccio; Il decamerone. Eine englische Übersetzung aus der Einleitung, aus der die obigen Zitate stammen, findet sich unter Introduction to il decamerone (http://www.fordham.edu/halsall/source/decameronintro.html)
  • Matteo Villani; Cronica di Matteo Villani, I, Kapitel 4

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